Stefan Weber

Der Drahdiwaberl Bandleader ist tot

Die Jüngeren wissen vielleicht nicht, woher sie den Namen kennen sollten, für meine Generation war er der komplett überdrehte schrille Bandleader von Drahdiwaberl, schon zu Lebzeiten eine Legende, hatte er 1969 doch die „wildeste Band Österreichs“ gegründet und bei allen Auftritten ordentlich die Sau herausgelassen. Nun ist er tot, 71-jährig gestorben und ich hoffe, er kann es mit den Engerln wieder ausgelassen treiben, denn in den letzten Jahren hatte er mit dem Scheiß-Parkinson keinerlei Lebensqualität mehr. Ich weiss nur zu genau wovon ich spreche, von seiner Tochter Monika und im Vorjahr habe ich ihn noch im Spital besucht. Aber „Gespräch“ gab es leider keines. Mich haben nur zwei dunkle Augen angestarrt als ob er mich verstehen würde, aber seine Zunge konnte keine Worte mehr formen. Ich war bei ihm, um die Zusage zu erbitten, seinen „Parkinson Blues“ übersetzen und als Duett aufnehmen zu dürfen. Monika sagte mir danach, dass er sich gefreut habe und mit meiner Übersetzung und dem Projekt einverstanden sei. Das war Parkinson im letzten Stadium und ich habe lange darüber sinniert, wann es wohl bei mir so weit sein würde, – und das waren keine guten Aussichten.

Schade, dass er seinen Blues nicht mehr auf der Parkinsong CD hören kann. Meine tiefe Anteilnahme geht an Monika und die Familie, aber jetzt hat ers wieder gut, da oben mit den Engerln, denn unten habens ihn doch nicht reingelassen. R.I.P. Stefan.

Gerald Ganglbauer

Prominente Betroffene

Ottfried Fischer

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7. November 1953
Kabarettist und Schauspieler,
Deutschland

Salvador Dalí

11. Mai 1904 – 23. Januar 1989
Surrealistischer Maler,
Katalonien

Billy Connolly

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24. November 1942
Kabarettist und Schauspieler,
Schottland (Foto © Eva Rinaldi)

Linda Ronstadt

15. Juli 1946
Popsängerin,
USA

Charles M Schulz

26. Nov. 1922 – 12. Februar 2000
Comic-Zeichner (Peanuts)
USA

Robin Williams

21. Juli 1951 – 11. August 2014
Kabarettist und Schauspieler,
USA

A

Robert Abelson
Brock Adams
Muhammad Ali
Steve Alten
Genrich Altshuller
Jack Anderson (columnist)
Sparky Anderson
Frank Annunzio
Irina Antonova
Alfonso Arana
Maurice Ascalon

B

Roger Bannister
Anthony Barber
Ralph Barbieri
Martin Bayne
José Bernal
Lindy Berry
Nicholas Bethell, 4th Baron Bethell
David B. Bleak
Lionel Blue
Mocky Brereton
Bernard Buffet
George H. W. Bush

C

Brian Cant
Berugo Carámbula
Roger Caron
Humphrey Carpenter
Don Chipp
Dick Clark
Richard Clements (journalist)
Michael R. Clifford
Billy Connolly
John Cornell
Zelman Cowen
Jordan Cronenweth

D

Salvador Dalí
Bill Dana (pilot)
Richard Derrick
Basil D’Oliveira
James Doohan
Lindsay Dorrier
Robert Dryden (actor)

F

Jürg Federspiel
Nosson Tzvi Finkel (Mir)
Ottfried Fischer
Thomas R. Fitzgerald (judge)
Michael J. Fox

G

Gerald Ganglbauer
Rod Gantefoer
Chris Garland
Bill Geist
Janie Lou Gibbs
Kirk Gibson
Billy Graham
Allan Grant
Brian Grant
Grace Griffith
Andrew Grove

H

Shay Healy
Roy Heath
Fergus Henderson
Maxi Herber
Tom Hickey (actor)
Gordon Hillman
Chester Himes
George Hislop
Peter Hoagland
Margaret Hodges
Peter Hofmann
Bob Hoskins

I

Iacob Iacobovici
Johnny Isakson
Ishimoda Shō

J

Mary Jackson (actress)
Frank Jenner
Rita Joe
Charlotte Johnson Wahl
Martha Johnson (singer)
Paulo José

K

Jerney Kaagman
Wilhelm Kempff
Ray Kennedy
Guy Kibbee
Michael Kinsley
Arthur Koestler

L

Udo Lattek
Alice Lazzarini

M

Paul Madeley
John Louis Mansi
Mao Zedong
Sterling Marlin
Jim Marsh (basketball)
Terry Martin (politician)
Herbert Mayr
Duncan McDuffie
W. Grant McMurray
Alois Mock
Richard Moir
Eugenio Monti

N

Knowlton Nash
Giulio Natta
Michael Newman (lifeguard)
William Norris (CEO)

O

Eugene O’Neill
Christopher Orlebar

P

M. Scott Peck
Donald Pederson
Brent Peterson
Ben Petrick
Roger Peyrefitte
Davis Phinney
Michael Pitfield
Bud Poile
Sam Posey
Enoch Powell
Larry Powers
Vincent Price

R

Hans Ras
Michael Redgrave
Leo M. Reinbold
Janet Reno
Edith Rigby
Dorothy Comstock Riley
Freddie Roach (boxing)
Linda Ronstadt
Murray Rose (politician)
Sinclair Ross
Margaret Rule
Sonia Rykiel

S

Frithjof Sælen (writer)
Edmond Safra
Albert Sammons
Chuck Sannipoli
Charles M. Schulz
Sha’ari Tadin
Rick Shapiro
Ed Sikov
Saadi Simawe
Walter Sisulu
Neddy Smith
Chester Stranczek
Paul Sturrock

T

Tan Boon Teik
Jean-Louis Tauran
A. J. P. Taylor
Arthur Tedder, 1st Baron Tedder
Nina Temple
Richard Thompson (cartoonist)
Pat Torpey
Mirko Tremaglia
Pierre Trudeau

V

Jay Van Andel
Ivan Vaughan
Iiro Viinanen
Galina Vishnevskaya
James Vorenberg

W

Maurice White
Robin Williams
John Farnsworth Wright

 

Peter Hofmann

Star-Tenor und Rockstar, Deutschland

1994 entdeckte Hofmann an sich erste Anzeichen der Parkinson-Krankheit, konnte die Auswirkungen jedoch zunächst mit Hilfe von Medikamenten beherrschen und weiter als Sänger auftreten.

Der 1944 in Marienbad (Tschechien) geborene Peter Hofmann spielte schon in seiner Jugend in einer Rock ’n‘ Rollband und betrieb erfolgreich Leistungssport (Stabhochsprung, Zehnkampf).
Als Opernsänger wurde er vor allem in Wagner-Opern bekannt, in denen er nicht nur wegen seines kraftvollen Gesangs, sondern auch wegen seiner hünenhaften Erscheinung mit einer für einen Mann ungewöhnlichen Haarpracht auffiel.
1976 gab er den Siegmund in der heute als Jahrhundertring (Richard Wagners „Ring des Nibelungen“) genannten Inszenierung von Patrice Chereau am „Grünen Hügel“ in Bayreuth. Statt der üblichen würdigen Herren im Schaffell mit Perücke sang ein blondgelockter durchtrainierter junger Bursch und tobte mit Jeannine Altmeyer über die Bühne. Anschließend kam es in den umgebenden Lokalen nicht nur zu Wortgefechten zwischen den traditionellen Wagnerianern und der gay community. Die Meinungen gingen  quer durch alle Generationen und Lager.

Parallel dazu veröffentlichte er erfolgreich einige Platten („Rock Classics“), auf denen er bekannte Rock- und Popballaden interpretierte, die ihm zahlreiche Gold- und Platin-Schallplatten einbrachten.

1990 sang er die Titelrolle im „Phantom der Oper“ in Hamburg.
Er präsentierte seine eigene Show mit dem Titel „Hofmanns Träumereien“ und tourte mit internationalen Rock-Hits, Elvis-Presley-Titeln, deutschsprachigen Liedern und später auch Country-Musik durch Europa.
Wie kaum ein anderer vor ihm wagte und schaffte er den Spagat zwischen klassischer Musik und Rock-, Pop- sowie Countrymusik.

Parkinson. Diese Krankheit passt nicht zu mir.

1994 entdeckte Hofmann an sich erste Anzeichen der Parkinson-Krankheit, konnte die Auswirkungen jedoch zunächst mit Hilfe von Medikamenten beherrschen und weiter als Sänger auftreten.
Aufgrund seiner fortschreitenden Erkrankung gab er 2004 offiziell das Ende seiner Karriere bekannt. „Parkinson. Diese Krankheit passt nicht zu mir. Diese Krankheit passt zu niemandem“ – so überschrieb er sein Engagement für die Parkinson-Forschung, in der Hoffnung, dass die Erkrankung „schon bald niemandem mehr Grenzen setzen muss“. Seinen täglichen Kampf und den von mehr als 200.000 Leidensgenossen allein in Deutschland beschrieb er mit den Worten: „Sie stört und zerstört. Sie setzt immer enger werdende Grenzen.“
Die letzten Jahre bis zu seinem Tode lebte er zurückgezogen mit seiner dritten Frau Sabine und der gemeinsamen Tochter.
Im November 2010 verstarb Peter Hofmann an den Folgen einer Lungenentzündung.

2012 erschien das Buch seines Bruders Fritz Hofmann: Peter Hofmann – Geschichten aus einem bewegten Sängerleben.

Claudia Parenzan

Michael J. Fox

Filmschauspieler, Kanada und USA

Die fiktionalen Zeitreisen in seinen Hollywood-Filmen wurde von der Realität eingeholt: Am 21. Oktober 2015 war das „Zurück in die Zukunft“-Spektakel in den Kinosälen nicht nur für Fans seiner Filme ein Ereignis.

Michael J Fox in Congress © michaeljfox.org
21.10.2015: Back to the Future im KIZ Royal Kino

Der Filmdarsteller Michael J. Fox bekam mit 29 Jahren Parkinson diagnostiziert und gilt heute als das Gesicht der Erkrankung.

Er zog sich im Jahr 2000 im wesentlichen aus dem Filmbusiness zurück und gründete die Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research, die bisher 450 Millionen Dollar gesammelt hat, 89 Prozent gehen direkt in die Forschung.

Sein zum Teil heftig diskutierter öffentlicher Auftritt 2006, in dem er die körperlichen Symptome ungeschminkt gezeigt hat, haben ihm große Aufmerksamkeit in den USA gebracht.

Ziel war die unter George W. Bush höchst umstrittene Stammzellen-Forschung voranzutreiben. Er musste sich auch sagen lassen, die starken Überbewegungen seien möglicherweise nur gespielt gewesen (auch im öffentlichen Leben in Graz ist nicht sofort jede sich unkontrolliert bewegende Person als Betrunkener zu deklarieren).

Seine Bücher „A Funny Thing Happened on the Way to the Future“ (2010), „Allways Looking Up“ (2009) und „Lucky Man“ (2002, deutsch: „Comeback. Parkinson wird nicht siegen“) sind Bestseller geworden.

Nach zahlreichen Auszeichnungen für sein Filmschaffen (Golden Globe, Grammy Awards, Emmys, Goldene Kamera, …) erhielt er für sein Engagement für die Parkinson-Forschung vier Ehrendoktorwürden von der New York University, University of British Columbia, Karolinska-Institut und der Mount Sinai School of Medicine.

Nachdem er eine für ihn passende Therapie gefunden hat, ist er seit 2013 auch wieder in Serien zu sehen.

Seine Lebenshaltung ist beispielgebend: man lernt erst das zu schätzen, was man bereits hat oder dazu gewonnen hat, wenn man sieht, was verloren gegangen ist.

Claudia Parenzan

Gerhard Amanshauser

Reisen im eigenen Zimmer

Der 1928 geborene Dichter leidet seit über 12 Jahren an Parkinson. Wenn er noch ein Buch schreiben könnte, würde es – wie er selbst sagt – ›Reisen im eigenen Zimmer‹ heißen.

Diese Reisen führen ihn in Grenzräume zwischen klarem Geist und glühender Halluzination, durch die Zimmer der geheimnisvollen Villa am Festungsberg, an die Plätze seiner national-sozialistischen Jugend, zu den rauschenden Festen alter Freunde, in die fernen Länder der Gedankenreisen und die Abgrundwelten seiner Albträume.

›Den bedeutendsten unter Österreichs bisher unentdeckten Autoren‹, nennt ihn der österreichische Erfolgsautor Daniel Kehlmann. Karl-Markus Gauß hält ihn für einen der besten Essayisten Österreichs, und Kollege Thomas Bernhard hat einst über Amanshauser gesagt: ›Habe mich bei jedem Preisausschreiben beteiligt, hab allerdings nie einen gekriegt, ich hab sicher fünf oder sechs Mal beim Trakl-Preis eingereicht, den hat dann immer der Amanshauser gekriegt oder irgendwer. Ich bin ja oft zur Jugendkulturwoche gefahren, da haben sie dann vom Amanshauser zehn Gedichte gelesen, und von mir eines mit vier Zeilen, das war immer die Degradierung und die Rivalität, und dann will man gedruckt sein.‹

Gerhard Amanshauser, geboren 2. Jänner 1928 in Salzburg, gestorben 2. September 2006 ebenda, ist in den Siebziger Jahren als Schriftsteller bekannt geworden (u.a. ›Schloss mit späten Gästen‹, Roman, Residenz Verlag 1975, verfilmt 1981 vom ORF). Seit 1996 legt die ›Bibliothek der Provinz‹ sein Gesamtwerk neu auf, mit ›Terrassenbuch‹, ›Mansardenbuch‹ und ›Fransenbuch‹ hat er Klassiker der modernen deutschsprachigen Literatur geschaffen. Zuletzt erschien im Residenz Verlag die Autobiographie ›Als Barbar im Prater‹. Sein literarisches Werk ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden.

Gerhard Amanshauser gilt vor allem als Meister der Kurzprosa, des Essays und der Satire. Er hat sich immer vom zeitgenössischen Gesellschafts- und auch Literaturbetrieb distanziert. Bis auf wenige Reisen, nach China und Indien, hat er sein ganzes Leben in der Amanshauser-Villa am Festungsberg verbracht. Aus der selbstgewählten Isolation des Schriftstellers, ist krankheitsbedingt, eine erzwungene Isolation geworden.

Ein letzter Film

REISEN IM EIGENEN ZIMMER – DER SCHRIFTSTELLER GERHARD AMANSHAUSER

Österreich 2006; Regie: Bernhard Braunstein, David Gross; 60 Min., deutsche OF, Quelle: www.daskino.at

Gerald Ganglbauer